Silhouette Brarup-Markt

Historisches

Die erste Erwähnung des Brarup-Marktes

Durch Zufall entdeckte Johannes Callsen, ein junger Heimatchronist aus Mohrkirch, in einem im Landesarchiv in Schleswig verwahrten Brücheregister des früheren Amtes Mohrkirchen unter der Registernummer 168 AR 1593 die folgende Eintragung:

"Heinrich Hartichsen zur Böhel hat in Braruper Market Henneke Michelsen einen Grapen entzwey geschlagen."

Um bei dieser Eintragung aus dem Jahre 1593 sicher zu sein, wurde noch einmal im Landesarchiv nachgefragt. Die schriftliche Antwort von dort erhielt die Gemeinde Süderbrarup mit Datum vom 12. November 1992: "Der jetzt ermittelte Quellenfund für das jahr 1593 stellt den jüngsten Forschungsstand dar."

Weil Anno 1593 ein Bürger aus dem nahen Böel übermütig oder gar weinselig einem Brarup-Händler einen Topf zerschlug und dafür zur Strafe ein Brüchegeld entrichten mußte, deshalb konnte in Süderbrarup 1993 ein Jubiläumsmarkt gefeiert werden. Es ging dabei nicht um den vierhundertsten Brarup-Markt, denn der ist vermutlich wesentlich älter, aber bereits das 400-Jahre Jubiläum Brarup-Markt, das 1993 gefeiert wurde, kann sich sehen lassen.

Hätte der gute Heinrich Hartichsen 1593 gewußt, daß seine Missetat auf dem Brarup-Markt etwa vierhundert Jahre später Anlaß für eine Jubiläumsfeier liefern sollte, er hätte seine Strafe wohl kaum als solche empfunden. Sein Brüchegeld von 4 Mark und 2 Schilling wird ihm den Spaß an Brarup 1593 vermutlich genommen haben. Im 21. Jahrhundert soll uns sein Ärger zusätzlicher Anlass für Freude und Frohsinn sein - eine "Schadenfreude" besonderer Art.

"Inbegriff aller Herrlichkeit"

Der Brarup-Markt in alten Reisebeschreibungen
Ein buntes Bild des Brarup-Marktes vergangener Zeiten liefern historische Reisebeschreibungen, in denen die Chronisten ihre persönlichen Eindrücke in einer lebhaften Sprache festgehalten haben. Selbst für nicht aus Angeln stammende Autoren war der Brarup-Markt ein beliebtes Thema, wurde er doch in mehreren Topographien des 19. Jahrhunderts als berühmter Markt, welcher aus den nächsten Städten und ganz Angeln besucht wird. (Landesbeschreibung von J. Lindemann 1876) dargestellt. Auch das 1847 herausgegebene Handbuch für Reisende in den Herzogtümern Schleswig Holstein und Lauenburg empfiehlt den Besuch des Kirchdorfes Süderbrarup, wo vom Dienstage nach Jacobi an während dreier Tage der berühmte Braruper Markt gehalten wird, der von ganz Angeln aus besucht und wie ein förmliches Volksfest gefeiert wird. Der aus dem einstigen Markt der Händler und Kaufleute hervorgegangene Volksfestcharakter des Brarup-Marktes war es auch, der die Autoren der Reiseberichte zu besonders bildhaften Illustrationen reizte. Mangels Foto und Video mussten alle Eindrücke des Marktes bildhaft dargestellt und den Lesern anschaulich weitergegeben werden.

Die besondere Bedeutung des Brarup wird in den Chroniken immer wieder unterstrichen. So stellt Moritz Busch in seinen Schleswig-Holsteinischen Briefen 1856 fest: "Es hieß in früheren Briefen, der Angler sei durchschnittlich von melancholischem Temperament. Wie aber jede Regel ihre Ausnahme hat, so auch diese. Einmal im Jahre legt das ganze Volk wie Ein Mann die ernste nachdenklich grüblerische Miene ab und macht ein Gesicht so feiertagsmäßig und so lustig zugleich, als ob Ostern, Pfingsten und Weihnachten, Fastnacht und Erntedank auf diesen Tag fielen. Das ist der berühmte Markt von Süderbrarup, Montag, Dienstag und Mittwoch nach Jacobi."

Dass es weithin in Angeln fast schon ein Muss war, einmal im Jahr mit der Familie zum Brarup zu fahren, wird immer wieder belegt. Knechte und Mägde bekamen wie selbstverständlich frei. Der Ort Süderbrarup wurde zu einer Ansammlung von Menschen, Pferden und Fuhrwerken. Graf Adelbert Baudissin schreibt 1865 in seinem Buch Schleswig-Holstein Meerumschlungen: "Ich will Angeln nicht Lebewohl sagen, ehe ich des Volksfestes erwähnt habe, das in früheren Zeiten noch mehr als jetzt der Inbegriff aller Glückseligkeit der Knechte und Mägde war, und selbst in den entlegeneren Theilen Schleswigs in so hohem Ansehen stand, daß man Leute viele Meilen zurücklegen sah, um an diesem Feste Theil zu nehmen, die sonst nicht aus ihren vier Pfählen herauszubringen waren; ich meine den Jahrmarkt zu Brarup, der in den letzten Tagen des Juli abgehalten wird und drei und einen halben Tag dauert."

August Hansen berichtet 1881 in seinen Angler Skizzen: ,Brarup bezeichnet den Inbegriff aller Herrlichkeit und symbolisirt eine Gabe, worauf artige Kinder Anspruch erheben können, wie auf ihren Weihnacht." Schon die bloße Drohung "Du kommst nich mit na Brarup!" bändigte den "trotzigen Sinn rascher als die derbste Tracht Prüge."

Einmal im Jahr kam die "weite Welt" in die sonst ruhige Landschaft Angeln. Das verdeutlichen die Berichte über die Buden, Schausteller und Künstler, die sich damals in Süderbrarup einfanden.

Graf Baudissin stellt fest, dass das Dorf Süderbrarup in den "Tagen des Jahrmarkts einen ganz neuen Charakter" annahm: "Buden und Zelte ohne Zahl werden errichtet, Seiltänzer, Harfenistinnen, Akrobaten und Equilibristen, Zauberer und Menageriebesitzer, Hunde und Affen, Waffelbuden und all' die tausend, sonst nirgends zu entdeckenden Menschen, Thiere und Sachen, die auf Jahrmärkten auftauchen, um nachher in Kisten, Kasten, Frachtwagen und Schubkarren zu verschwinden, wachsen wie Pilze aus der Erde, jedes Haus ist plötzlich ein Gasthaus geworden; auf allen Hausdielen wird gejubelt und getanzt, Schaaren von Dienstleuten, reichen Bauern, vergnügungssüchtigen Städtern und herablassend blickenden Pächtern und Gutsbesitzern strömen auf und ab."

"Ganz Angeln wimmelt wie ein Ameisenhaufen" schreibt Moritz Busch und trifft damit sicher auch die Stimmung in Süderbrarup selbst, wo eine "weiße Zeltstadt" aufgebaut wurde, "zu der die Angler alljährlich mit demselben Pflichtgefühl wallfahrten wie einst die Juden zum Passah in Jerusalem". Über das Marktgeschehen selbst berichtet er: "Schon in der Entfernung einer Viertelstunde Trompetengeschmetter und das dumpfe Getöse der großen Trommel, Gewieher von Gäulen und das Gequiek von Säuen, die noch des Käufers harren. In der Nähe ein Summen, wie von einem ungeheuren schwärmenden Bienenvolke, Stimmen von Ausrufern, Gekreisch von Bänkelsängern, Geheul von Clarinetten und das larmoyante Gedudel bettelnder Drehorgeln. Endlich die Zeltstadt selbst, unter einer Wolke von Fettdampf und Staub, ein dunkler langsamer Strom von Fußgängern, Harfengeklimper und -Flötengewinsel, Tabaksqualm, Bierdunst, Torfgeruch, Familienvater Backfische, Kinder mit angebissenen Pfefferkuchenherzen, Verkaufstische mit allerlei Krimskram, (...), Erkennungsscenen, Händeschütteln von Bekannten und allgemeines Wohlgefallen, Da eine Reihe portabler Spirituosenquellen in leinwandnen Grotten mit geputzten Nymphen, die mit nimmermüden Händen geduldige Harfen schlagen. Da ein Akrobat auf dem Thurnseil. Da ein Karoussel und da ein Schießstand. Da ein großer Bulle, dreitausend Pfund schwer, und dort ein Guckkastenbild mit himmelblauen Dächern und eidottergelben Mauern, das Sebastopol der Illustrierten Zeitung. (...)

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